Publicerad: 2026-02-24
Angeln für Anfänger in Deutschland – Der komplette Einstiegsguide
Dieser Guide erklärt dir die wichtigsten Schritte: rechtliche Voraussetzungen, sinnvolle Einsteiger-Ausrüstung, geeignete Angelmethoden und Regeln für waidgerechtes, nachhaltiges Angeln.
1. Der erste Schritt: Fischereischein („Angelschein“) in Deutschland
Bevor du in Deutschland angeln darfst, brauchst du in der Regel einen Fischereischein (umgangssprachlich „Angelschein“). Er dient als Nachweis deiner Sachkunde. Zusätzlich ist für fast jedes Gewässer ein Erlaubnisschein (Angelkarte) erforderlich.
1.1 Voraussetzungen
- Mindestalter: Je nach Bundesland unterschiedlich; häufig gibt es Jugend- oder Sonderregelungen für Minderjährige.
- Zuständigkeit: Der Fischereischein wird meist bei der Behörde deines Wohnorts beantragt (z. B. Bürgeramt/Ordnungsamt).
- Fischerprüfung: In vielen Bundesländern Voraussetzung für den regulären Fischereischein.
1.2 Vorbereitung: Kurs & Selbststudium
Zur Vorbereitung bieten Angelvereine, Volkshochschulen und private Anbieter Kurse an. Online-Kurse sind je nach Bundesland anerkannt oder als Ergänzung sinnvoll.
Typische Themen:
- Fischkunde (Arten, Biologie, Erkennung)
- Gewässerkunde & Ökologie
- Gerätekunde (Rute, Rolle, Montagen, Knoten)
- Rechtskunde (Fischerei-, Natur- und Tierschutzrecht)
- Waidgerechter Umgang mit dem Fisch (Landung, Abhaken, Betäuben, Töten)
2. Fischerprüfung: Was erwartet dich?
Die Fischerprüfung prüft dein Grundlagenwissen. Ablauf und Umfang unterscheiden sich je nach Bundesland, sind aber inhaltlich ähnlich.
2.1 Ablauf
- Theorie: Häufig Multiple-Choice-Fragen aus mehreren Sachgebieten.
- Praxis (je nach Bundesland/Prüfungsordnung): z. B. Gerätezusammenstellung, Knoten, Fischarten erkennen, waidgerechtes Versorgen.
Nach Bestehen erhältst du ein Prüfungszeugnis, mit dem du den Fischereischein beantragen kannst.
2.2 Kosten (Richtwerte)
- Vorbereitungskurs: ca. 80–250 €
- Prüfungsgebühr: ca. 25–80 €
- Fischereischein: je nach Bundesland und Laufzeit (z. B. 1/5/10 Jahre oder teils lebenslang) unterschiedlich
- Zusätzlich: Erlaubnisscheine (Angelkarte) pro Gewässer/Zeitraum
3. Ausrüstung für Anfänger: Was brauche ich wirklich?
Für den Einstieg reicht eine solide Grundausstattung. Kaufe lieber robust und passend zum Zielfisch/ Gewässer, statt zu viel auf einmal.
3.1 Basics: Rute, Rolle, Schnur
- Rute: Eine Allround-Rute (Steck- oder Teleskoprute) um 2,70–3,30 m ist für viele Situationen geeignet. Das passende Wurfgewicht hängt von Methode und Ködern ab; für leichtes Posen- und Grundangeln sind oft 10–40 g ein brauchbarer Startbereich.
- Rolle: Stationärrolle (Spinnrolle) in Größe 2000–4000 (je nach Rute und Zielfisch). Achte auf eine sauber arbeitende Bremse.
- Schnur: Monofile Schnur ist anfängerfreundlich. Häufig passend: 0,20–0,28 mm (je nach Zielfisch und Hindernissen). Für Raubfischangeln sind oft andere Setups sinnvoll (z. B. geflochtene Schnur + Stahl/Fluorocarbon-Vorfach).
3.2 Kleinteile
- Haken: Sortiment in passenden Größen (z. B. 8–16 für viele Friedfisch-Anwendungen; je nach Köder/Fisch anpassen).
- Gewichte: Bleischrote, Oliven- oder Laufbleie in verschiedenen Gewichten zum Ausloten bzw. für Grundmontagen.
- Posen/Schwimmer: Verschiedene Tragkräfte (z. B. 1–6 g) für stehende und langsam fließende Gewässer.
- Wirbel, Karabiner, Stopper, Perlen: Für saubere, verdrallungsarme Montagen.
3.3 Zubehör (praxisnah)
- Kescher: Passend zur Fischgröße; gummierte Netze sind oft fischschonender.
- Abhakmatte: Sinnvoll, besonders bei Karpfen & größeren Fischen; schützt Fisch und Untergrund.
- Hakenlöser/Arterienklemme: Für sicheres, schnelles Abhaken.
- Maßband: Für Mindestmaße.
- Betäuber & Messer: Für waidgerechtes Versorgen entnommener Fische (Betäuben, dann Töten).
- Polbrille (optional): Reduziert Spiegelungen, erhöht Sicherheit (Haken!) und hilft beim Beobachten.
- Erste-Hilfe-Set: Pflaster/Desinfektion sind am Wasser sehr sinnvoll.
Erweitere deine Ausrüstung erst, wenn du weißt, welche Fischarten und Methoden dir liegen.
4. Wo darf ich angeln? Gewässer & Erlaubnisscheine
Der Fischereischein allein reicht meist nicht: Für das konkrete Gewässer brauchst du zusätzlich einen Erlaubnisschein (Angelkarte). Den bekommst du z. B. beim Gewässerpächter (oft Angelverein), in Angelläden, Tourist-Infos oder online.
4.1 Gewässerarten
- Flüsse & Bäche: Je nach Region z. B. Döbel, Barbe, Forelle, Hecht.
- Seen & Teiche: Häufig Karpfen, Brassen, Schleie sowie Hecht, Zander, Barsch.
- Kanäle: Oft gute Friedfischbestände; je nach Gewässer auch Zander/Barsch/Aal.
- Küste/Meer: Regelungen unterscheiden sich stark. Teilweise gibt es Touristenfischereischeine oder Fischereiabgaben (z. B. in Mecklenburg-Vorpommern). Informiere dich vorab für dein Bundesland und den konkreten Bereich. Zielfische können z. B. Hering, Plattfische, Dorsch (Bestandslage/Regeln beachten) oder Meerforelle sein.
4.2 Was regelt die Angelkarte?
- Erlaubte Angelmethoden und Anzahl der Ruten
- Schonzeiten, Mindestmaße, Fanglimits
- Entnahmefenster/Entnahmeregeln (falls vorhanden)
- Besondere Regeln (z. B. Anfüttern, Nachtangeln, Schonstrecken)
4.3 Schonzeiten & Mindestmaße
Schonzeiten und Mindestmaße sind je nach Bundesland und Gewässerordnung unterschiedlich. Halte dich strikt daran: Verstöße können Bußgelder, Entzug der Erlaubnis und weitere Konsequenzen nach sich ziehen.
5. Grundlagen: Einfache Techniken für Einsteiger
Für den Einstieg sind Posenangeln und Grundangeln besonders geeignet: überschaubare Montagen, klare Bissanzeige und viele Zielfische.
5.1 Posenangeln (Schwimmerangeln)
Die Pose zeigt Bisse an und hält den Köder in einer definierten Tiefe. Ideal, um aktiv zu lernen, was unter Wasser passiert.
Einfaches Montage-Prinzip
- Pose montieren (fest oder durchlaufend, je nach Gewässertiefe).
- Schrote/Olive so setzen, dass die Pose korrekt austariert ist (nur die Antenne schaut heraus).
- Wirbel anknoten.
- Vorfach mit Haken anbinden.
- Köder anbringen und Tiefe einstellen (ausloten).
Typische Zielfische: Rotauge, Brasse, Rotfeder, Schleie, kleinere Karpfen.
5.2 Grundangeln
Beim Grundangeln liegt der Köder am Boden. Bisse erkennst du über die Rutenspitze, einen Swinger/Hänger oder (wo erlaubt) einen elektronischen Bissanzeiger.
Einfaches Laufblei-Prinzip
- Laufblei auf die Hauptschnur fädeln.
- Perle als Knotenschutz aufziehen.
- Wirbel anknoten.
- Vorfach mit Haken anbinden.
- Köder anbringen.
Typische Zielfische: Karpfen, Schleie, Aal (Regeln/Schonzeiten beachten) und weitere Bodenfresser.
5.3 Köderkunde für Anfänger
Naturköder sind für den Start oft am einfachsten und sehr fängig:
- Maden & Würmer: Sehr universell (je nach Gewässerordnung ggf. Einschränkungen beachten).
- Mais: Häufig gut auf Karpfen/Schleie.
- Brot: Für oberflächennahe Friedfische (Achtung: Haken sicher setzen, nicht zu weich).
- Teig: Variabel, besonders an Teichen/Seen verbreitet.
6. Nachhaltigkeit & Regeln: Verantwortungsvoll angeln
Angeln bedeutet Verantwortung: gegenüber dem Tier, dem Gewässer und anderen Menschen am Wasser.
- Waidgerechtigkeit: Fische, die entnommen werden, müssen unverzüglich waidgerecht betäubt und getötet werden. Untermaßige oder geschonte Fische sind schonend zurückzusetzen.
- Catch & Release: In Deutschland ist das gezielte Fangen und Freilassen ohne vernünftigen Grund rechtlich problematisch (Tierschutz). Erlaubt bzw. geboten ist das Zurücksetzen z. B. bei Schonzeit, Untermaß oder wenn die Gewässerordnung es vorschreibt.
- Müll & Schnurreste: Alles wieder mitnehmen (auch Angelschnur, Hakenverpackungen, Zigarettenstummel).
- Respekt am Ufer: Leise, rücksichtsvoll, keine Ufervegetation zerstören, Brut- und Schutzbereiche meiden.
- Regeln kennen: Gewässerordnung, Schonzeiten, Mindestmaße, Fanglimits und erlaubte Methoden vor dem Angeln prüfen.
7. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich wirklich einen Angelschein in Deutschland?
In den meisten Fällen ja: Für das Angeln ist ein gültiger Fischereischein erforderlich, meist nach bestandener Fischerprüfung. Zusätzlich brauchst du fast immer einen Erlaubnisschein (Angelkarte) für das jeweilige Gewässer. Je nach Bundesland gibt es Ausnahmen (z. B. Touristenfischereischein oder spezielle Küstenregelungen).
Wie lange dauert die Vorbereitung auf den Angelschein?
Das variiert nach Bundesland und Anbieter. Es gibt Intensivkurse (z. B. Wochenende) oder Abendkurse über mehrere Wochen. Online-Lernen ist oft möglich. Plane mehrere Dutzend Lernstunden plus Wiederholung ein.
Was kostet der Angelschein in Deutschland?
Richtwerte: Vorbereitungskurs ca. 80–250 €, Prüfungsgebühr ca. 25–80 €, Fischereischein je nach Bundesland/Laufzeit unterschiedlich. Zusätzlich fallen Kosten für Erlaubnisscheine (Angelkarte) an.
Darf ich ohne Angelschein angeln, wenn ich nur zuschauen oder helfen will?
Ohne eigenen Fischereischein/Erlaubnisschein darfst du in der Regel nicht aktiv angeln (z. B. auswerfen, Rute führen, drillen). Reines Zuschauen ist unproblematisch. Für Kinder/Jugendliche gibt es je nach Bundesland Sonderregelungen (z. B. Jugendfischereischein oder Angeln unter Aufsicht). Prüfe die Landesregelung und die Gewässerordnung.
Welche Fische kann ich als Anfänger gut fangen?
Oft eignen sich Friedfische wie Rotauge, Brasse, Rotfeder, Schleie und kleinere Karpfen. Sie sind vielerorts häufig und beißen gut auf einfache Naturköder wie Maden, Würmer oder Mais (Regeln des Gewässers beachten).